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Ich weiss nicht, was mich geritten hat

Ich weiss nicht, was mich geritten hat

Ich wohne neuerdings in Woho. Vielleicht haben Sie es jetzt gleich erraten, gemeint ist natürlich Wollishofen. Woho klingt einfach cooler, ein bisschen so wie Soho. Und wenn ich schon an der falschen Küste der Stadt gestrandet bin, dann darf ich doch ruhig mit etwas Coolness nachhelfen…

Manchmal gehe ich zu Fuss zur Arbeit, dann bin ich eine gute Stunde unterwegs. Früher bin ich diese eine Stunde in den ÖV gependelt, heute verbringe ich sie bei einem pittoresken Spaziergang an Zürichs Filetstück, entlang an den Quais des oberen Zürichseebeckens mit wortwörtlichem «Bellevue» auf die Berge.

Beim Sechseläutenplatz mit seinen fast 16’000 Quadratmetern ziehe ich mir jeweils noch ein bisschen Agoraphobie rein. So kann der Tag beginnen!

Ich amüsiere mich über die Stühle der Produktreihe «Luxembourg», die ursprünglich für die gleichnamigen Gärten in Paris entworfen wurden. Ihr typisch französisches Design ist die Inkarnation französischer Kultur in Form eines Möbels! Ein wunderbarer Stuhl aus Aluminium mit einer grossen Portion «Je-ne-sais-quoi», voller Leichtigkeit, Lebensfreude und Geselligkeit; 1923 von den «Ateliers de la Ville de Paris» – also den Pariser Stadtwerken –  entworfen. Warnung: Stellen Sie sich jetzt bloss nicht vor, wie diese Stühle wohl aussähen, wenn sie von der Stadt Zürich designt worden wären! …

So wie sie dastehen, sind sie Momentaufnahmen des Vortages. Sie halten die Position, die ihnen der Sitzgast beim Verlassen des Ortes zugewiesen hatte und erzählen mir am darauffolgenden Morgen eine Geschichte:

So sagen sie zum Beispiel: «Ich liebe dich und möchte mit dir alt werden» oder «Komm, wir machen eine Gruppentherapie.» Manchmal gehen Sie auch auf Konfrontation oder zeigen sich die kalte Schulter. Wieder andere möchten einander verlassen, aber das geht nicht, denn sie sind immer paarweise zusammengebunden. So höre ich: «Ich hasse dich! Ich möchte dich verlassen, aber es geht nicht, weil wir zusammengebunden sind.»

Zwei andere Pärchen diskutieren: «Kommt Leute, wir gehen ins Kino.» «Nö, will ich nicht, ich möchte lieber den Sonnenuntergang anschauen.» «Ach, du wieder. Das ist doch langweilig.» Das nächste Paar ist schon länger zusammen, das sieht man gleich: Wie selbstbewusst jeder von ihnen dasteht, und, obwohl sie ebenfalls zusammengekettet sind, den Eindruck erwecken, eigenständig zu sein.

Die schwarzen Stühle hingegen kennen dieses «Flohnerleben» nicht. Sie sind angestellt und haben nur wenige Freiheiten. Am Abend werden sie gestapelt und müssen sich ausruhen, um am nächsten Tag erneut im Dienst zu stehen. So. Nun habe ich genug Unsinn erzählt. Das letzte Pärchen überlasse ich nun Ihrer Fantasie.

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