So jung und schon ein Böser?

Das Mofa knattert und schafft es kaum den Hügel hinter dem Thurgauer Bauerndorf Homburg hoch. Kein Wunder, denn auf dem armen Zweirad sitzt Thomas Burkhalter, und der wiegt in seinem zarten Alter von 15 Jahren schon stolze 102 Kilogramm. Wobei: Das Wörtchen zart passt hier nun wirklich nicht. Thomas ist zwar noch jung, aber mit seinen 184 Zentimetern ein echtes Muskelpaket – und einer der erfolgreichsten Nachwuchsschwinger seiner Altersklasse. Oben angekommen wartet sein Vater Stefan Burkhalter bereits auf ihn und in der Küche des Hofs gibt es erst einmal einen Milchkaffee.

Thomas kommt gerade von seinem Lehrbetrieb in Märstetten. Er macht eine Lehre als Landwirt auf einem Bauernhof, der sich auf Milchwirtschaft und Schweine spezialisiert hat, ganz so wie sein Vater. Hier oben, etwa 640 Meter über Meer, weiden auf 18 Hektaren um die 40 Milchkühe. Der Hof, der für seine besonders tierfreundliche Haltung mit dem BTS-Siegel ausgezeichnet wurde, ist seit drei Generationen im Familienbesitz und mit dem angehenden Landwirt Thomas folgt vielleicht schon bald die vierte. War der Weg also von Anfang an vorgezeichnet? «Nein, ganz so klar war das nicht», erzählt Thomas. «Als es am Ende der Schulzeit darum ging, eine Lehrstelle zu suchen, habe ich mich zuerst für andere Berufe interessiert. Zwei Schnupperlehren habe ich absolviert, eine als Metzger und eine als Zimmermann. Dann ist mir klar geworden, dass ich bereits seit klein auf das mache, was ich am liebsten tue: auf einem Bauernhof mitarbeiten.» Es ist die Bodenständigkeit, die Arbeit mit den Tieren, in der Natur und an der frischen Luft, die ihn fasziniert und ihn glücklich macht. Also hat er sich dafür entschieden, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten und Bauer zu werden.

Und beim Sport? Vater Stefan Burkhalter ist ein Spitzenschwinger und hat es dadurch zu einiger Bekanntheit gebracht. Nun scheint sein Sohn auch hier denselben Weg einzuschlagen. Doch es hätte anders kommen können. «Zuerst wollte Thomas Boxer werden», verrät Stefan Burkhalter, und man sieht ihm sofort an, was er von diesem Wunsch gehalten haben musste. «Boxer! Da war ich also schon dagegegen. Zwar habe auch ich in jungen Jahren ein Jahr geboxt, doch für meinen Junior war mir das dann doch zu gefährlich. Jede Woche eine blutende Nase, das kann nicht gesund sein.» So begann Thomas 2010 bei den Schwingern, am Anfang mit wenig Begeisterung. «Fast ein Jahr lang durfte ich nur trainieren, ohne Wettkampf. So hatte ich mir das nicht vorgestellt», erzählt er. Doch die Geduld hat sich gelohnt. Schon seinen ersten Wettkampf gewann er. Und es sollten noch viele weitere Siege folgen! Bereits 44 Zweige hat er nach Hause gebracht. Doch sein erster Kampf als Aktiver bei den Grossen steht noch aus. Vielleicht kommt der aber schon bald, denn 2019 ist ein bedeutendes Jahr für Thomas Burkhalter.

Im August findet in Zug das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt, der wichtigste Anlass für einen Schwinger überhaupt. Ob Thomas dabei sein darf, hängt davon ab, welche Leistungen er in diesem Jahr erbringt und ob er sich für das Eidgenössische qualifizieren kann. Schon jetzt trainiert er mindestens viermal pro Woche. Als wären die Arbeiten in seinem Lehrbetrieb und auf dem elterlichen Hof nicht anstrengend genug. Dazu kommt die Berufsschule, für die er natürlich auch noch lernen muss. Viel Zeit bleibt also neben Hof, Beruf und Schule nicht. Dennoch konzentrieren sich Stefan und Thomas Burkhalter voll und ganz auf die Vorbereitung für den Grossanlass. «Das wäre schon was, wenn wir als Vater und Sohn gemeinsam in Zug für unseren Verband antreten würden. Für mich das neunte Mal, für ihn das erste. Ein Traum», strahlt Stefan Burkhalter. Er ist der grösste Fan und zugleich der schärfste Kritiker von Thomas. Beide trainieren in Weinfelden, manchmal sogar gemeinsam. Deshalb kann er die Chancen seines Sohnes recht gut einschätzen. «Mit seinen über 100 Kilogramm hat Thomas in seinem ersten Jahr bei den Aktiven gute Chancen, denn auch erwachsene Spitzenschwinger sind nicht viel schwerer.» So wird 2019 denn auch ein Jahr erster Entscheidungen für Burkhalter junior. Während er im Moment viel Zeit für die Berufsschule aufwendet, wird sich in seinem ersten Jahr bei den Grossen zeigen, wie die Chancen auf eine Schwingerkarriere stehen. Wenn er nach erfolgreichem Lehrabschluss in den Spitzensport will, wird das Training an sechs bis sieben Tagen die Woche sein Leben dominieren. Doch noch ist es nicht so weit. Zuerst wollen einmal die Kühe im Stall versorgt werden. Und das werden sie – gemeinsam von zwei Generationen Burkhalter.

Spricht man mit ihnen über die Faszination des Schwingens, dann sind es dieselben Dinge, die sie begeistern: «Die Schwinger sind ein ganz eigenes Völkchen. Sportler durch und durch. Bei uns geht es durchaus hart zur Sache, doch es herrscht ein Klima von Respekt. Vor und nach dem Kampf geben wir uns die Hand und schauen uns in die Augen. Dem Verlierer wischen wir das Sägemehl vom Rücken. Die Atmosphäre an einem Schwingfest ist fantastisch. Da braucht es keine Security, da benimmt man sich einfach anständig und gut ist», schwärmt Stefan Burkhalter. Nicht zuletzt deshalb hat er sich ein grosses «Respect» auf den Unterarm tätowieren lassen.

Tradition, Gemeinschaft und ein faires Miteinander sind gute Gründe fürs Schwingen. Seit Jahren liegt der Sport im Trend. Die grossen Anlässe ziehen ein riesiges Publikum an und Billette sind nur schwer erhältlich. Wenn alles gut geht, wird sich Thomas Burkhalter dieses Jahr seinem ersten grossen Wettkampf stellen. Unterdessen trainiert in den Schwingkellern der Schweiz schon der Nachwuchs für die Kämpfe der Zukunft. Kinder und Jugendliche, die sich fürs Schwingen interessieren, gehen am besten einfach bei einem nahegelegenen Schwingverein vorbei.

Das Projekt
Für das Swissmilk Familymagazin machten wir uns auf ins Thurgau und besuchten Vater und Sohn Burkhalter auf ihrem Bauernhof. Bei einem Glas Milch sprachen wir über die Leidenschaft der beiden: das Schwingen.

Schweizer Milchproduzenten SMP Genossenschaft
Die SMP Genossenschaft versteht sich als Dachorganisation der Schweizer Milchbauern. Sie vertritt die Interessen der Schweizer Milchproduzenten und ihrer lokalen und regionalen Organisa­tionen auf gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Ebene.

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